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Im Unterwegs der Weltzeitgeschichte und der eigenen Biografie finde ich im künstlerischen Tun den Ruhepol des Unzeitlichen. Im Hier und Jetzt nimmt die gelebte Zeit Gestalt an. So entstehen meine Werke in vielfältiger Form etwa eines vielschichtigen Farbauftrags innerhalb eines Bilderrahmens bis zum Wort, das auf transparentem Stoff irgendwo draußen vom Wind bewegt wird. Menschliche Sprache gelangt in den Raum der Elemente. Und Elemente werden eingefangen in der Verbildlichung und Wortsetzung im Rahmen menschlicher Kultur. Sodann bin ich als Künstlerin also eine Netzwerkerin des Elementaren und temporär Banalen im Unzeitlichen. 

SACK  und  ASCHE

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...Mutters Nähkästchen quoll über von all diesen notwendigen Dingen des Alltags einer großen Familie. Es war unmöglich, hier eine Ordnung zu schaffen. Die Schubladen aus Holz klemmten, und es war besser, sie erst gar nicht zu schließen. Das Nähkästchen war ein selbstgefertigtes Geschenk von Vater, dem ehemaligen Soldaten, für Mutter, verziert mit Birkenrinde. Ich hatte als Kind stets das Gefühl, dass Mutter diesem Nähkästchen irgendwie misstraute. Später nahm ich es als ein Erbstück mit in mein eigenes Leben, als ein Dokument der Liebe in Nachkriegszeiten. Die Schubladen klemmen immer noch, und ich zog kürzlich einige kleine Dinge aus den offenen Schubladen, um sie mit den Jutesäcken zu vereinen, mit denen ich gerade arbeite, und die so vertraut nach Kindheit riechen. Ich ordnete das aus dem Nähkästchen heraus quellende Chaos neu und trug es zu dem "letzten Granatapfelbaum" des Schriftstellers Bachtyar Ali, an diesen Ort der Zuflucht und der Bitten um Rat in der Not, den Ort des Trostes und der Hoffnung in Zeiten der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit und nicht zuletzt der ersehnten Erleuchtung.​

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