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WASSER 

Ich bin aus der Großstadt in das südliche Land gezogen, ins Licht und in die Abgelegenheit vom Weltgeschehen, wie es scheint. Hier malt es sich gut und es gibt zahlreiche Künstler*innen hier.

Hier wohnen Leute aus aller Welt, viele machen gar nichts, viele leben in labilen Situationen, man hört von tragischen Geschichten, von Irrsinn und Psychosen, in diesem schönen, sonnigen Land am Meer. Die Einheimischen bleiben lieber unter sich.

Du lebst auch seit einiger Zeit hier an der Seite des Meeres, sagst du.

Aus deiner Erzählung wird nicht deutlich, wie du hierher kamst.

Du hast einen erwachsenen Sohn, sagst du, irgendwo, aber das Foto, das du mir über den Tisch schiebst, zeigt einen kleinen Jungen und du antwortest vage auf meine Frage, wann du ihn zum letzten Mal gesehen hast. Du bist nicht verrückt, sagst du, du hast dein bisheriges Leben beim Militär verbracht, wie schon dein Vater und die Brüder des Vaters und deine eigenen Brüder. Du bist, du warst Soldat mit Spezialausbildung, sagst du, und du bist nicht verrückt geworden in all den Kriegen der Welt. Viele deiner Freunde sind nicht mehr da, du sagst nicht, dass du abgehauen bist, und ich sage nichts. Du sagst, du willst endlich leben, du besitzt nichts, du hast nichts, du bist nichts. Ich zahle dein Bier. Du bittest mich um eine Verabredung.                                     

CORES DO MAR

In der Nacht nach der Begegnung mit dir träumte ich schlecht: ich sollte auf die Flucht gehen, obwohl ich so gemütlich lebte und gar nicht wollte. Aber in meinem Traum war Krieg, irgendein Krieg zu irgendeiner Zeit, heute, gestern, morgen. Wir sollten die Pferde satteln und durch das Watt reiten, mein kleiner Sohn und ich, obwohl bekannt war, dass auf alle Flüchtlinge im Watt geschossen wurde, ein bekanntes deutsches Bild.

Ich hatte das Glück, erwachen zu können, aus einem Traum.

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